Dank des Sonderpreises des Schweizerischen Geschichtswettbewerbs HISTORIA, den ich am nationalen Wettbewerb von Schweizer Jugend forscht für meine Arbeit „KV 55 – Das rätselhafte Grab im Tal der Könige“gewonnen habe, durfte ich für einen Tag hinter die Kulissen eines Museums schauen. Da ich mich sehr für Geschichte und dabei vor allem für die Antike interessiere, wie man schon am Thema meiner Arbeit und an meiner Studienwahl sehen kann – ich studiere inzwischen Altertumswissenschaften mit den geplanten Schwerpunkten Ägyptologie und Klassische Archäologie an der Universität Basel – entschied ich mich dabei für das Antikenmuseum Basel. Da alle Beteiligten überaus zuvorkommend waren, war mein „Blick hinter die Kulissen“ bald organisiert und am 27. Januar diesen Jahres war es dann schliesslich soweit.
Am Morgen wurde ich vom Ägyptologen Dr. André Wiese durch die ägyptische Abteilung des Antikenmuseums geführt, wobei sich natürlich im Gegensatz zu einem normalen Museumsbesuch die Gelegenheit für zahlreiche Fragen bot. So wurde diese „Privatführung“ zu einem sehr lehrreichen aber auch unterhaltsamen Ereignis, bei dem ich an einigen Stücken, obwohl ich sie nicht zum ersten Mal sah, doch ganz neue Details entdecken konnte. Anschliessend hatte ich die Möglichkeit im Depot des Museums auch einmal diejenigen Objekte zu betrachten, die man normalerweise als Besucher nicht zu Gesicht bekommt. Das besondere dabei war, dass ich auch einmal einige Artefakte anfassen durfte; dies ist ansonsten natürlich auch nicht möglich, für mich als vom Alten Ägypten Begeisterten aber war es ein wirklich eindrückliches und teilweise regelrecht bewegendes Erlebnis – wann hat man schon einmal die Gelegenheit 3500 Jahre alte Fingerabdrücke in einer kleinen Tonfigur vor sich zu sehen, die noch so deutlich sichtbar sind, als seien sie erst vor ein paar Minuten entstanden? Am Schluss bekam ich noch einige Fälschungen zu sehen, einschliesslich ein paar Tipps des erfahrenen Ägyptologen – die ich hier selbstverständlich nicht verraten werde – wie diese unter Umständen von Originalen zu unterscheiden sind.
Den Nachmittag verbrachte ich in der Restaurierungsabteilung des Antikenmuseums, wo mir Kurt Bosshard einen Einblick in seine Arbeit gab. Dazu gehört neben der tatsächlichen Konservierung von Objekten auch die Vorbereitung der Artefakte, so dass diese in der Ausstellung gezeigt werden können und die Organisation von Sonderausstellungen, was ein beträchtlicher – auch administrativer – Aufwand sein kann, wie mir Herr Bosshard am Beispiel der Tutanchamun-Ausstellung von 2004 erläuterte. Restauriert werden vor allem Gegenstände, die schon im Museum oder auch in Privatsammlungen standen; dies vor allem aus dem Grund, dass heute aus Ländern wie Griechenland oder Ägypten keine Artefakte mehr ausgeführt werden dürfen, so dass gar keine neu entdeckten Stücke mehr in die Schweiz gelangen.
Alles in allem war mein Tag hinter den Kulissen des Antikenmuseums Basel wirklich informativ und lehrreich. Auch im Gespräch mit Herrn Wiese und Herrn Bosshard erfuhr ich vieles, was gerade für mich als Student der Altertumswissenschaften äusserst interessant war, so dass ich sagen kann, dass der „Tag hinter den Kulissen eines Museums“ ein Preis ist, den es sich in jedem Fall zu gewinnen lohnt. Am Ende bleibt mir nur noch allen beteiligten Personen ganz herzlich für ihre Bereitwilligkeit zu danken und eventuelle zukünftige Anwärter auf den Sonderpreis zu ermutigen, denn die Arbeit lohnt sich wirklich; doch auch wenn es nicht klappt, ist das Antikenmuseum Basel in jedem Fall einen Besuch wert.
Frederik Rogner, Februar 2010