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HISTORIA stellt sich bei Schweizerischen Geschichtstagen vor

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Bis zum Einsendeschluss für den nächsten Schweizer Geschichtswettbewerb dauert es zwar noch über ein Jahr, doch schon jetzt rührt der Verein HISTORIA die Werbetrommel: Bei den Schweizerischen Geschichtstagen vom 4. bis 6. Februar 2010 in Basel war HISTORIA nicht nur mit einem Informationsstand vertreten, am Samstag, 6. Februar, hatte der Verein zu einer Diskussionsrunde eingeladen. Das Thema: „Jugendliche erforschen das Thema Grenzen“. Denn „Grenzen“ war nicht nur das Thema der Geschichtstage – sondern auch das des letzten HISTORIA-Wettbewerbes.

Auch wenn sich die Organisatorinnen des HISTORIA-Panels mehr Gäste gewünscht hatten, kam am letzten Tag der Schweizerischen Geschichtstage eine muntere Diskussion zustande – auch dank der gelungenen Moderation von Geschichtslehrerin Kerstin Peter vom Literargymnasium Rämibühl (ZH). Mit Hansjörg Frank und Christine Stuber waren zwei Lehrpersonen unter den Gesprächsteilnehmern, Clara Müller berichtete aus der Sicht einer Siegerin des HISTORIA-Geschichtswettbewerbs. Rudolf Hadorn von der Universität Bern brachte die Sichtweise eines Didaktikers in die Runde und Sven Tetzlaff bereicherte die Diskussionsrunde mit seiner langjährigen Erfahrung aus dem deutschen Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten.

Viele Anregungen vom deutschen Geschichtswettbewerb

„Wir sind überzeugt, dass auch Jugendliche schon in der Forschung tätig sein können“, erklärte Vereinspräsidentin Christiane Derrer die Motivation für den Geschichtswettbewerb, den die Stiftung Mercator Schweiz unterstützt. Vorbild des Schweizer Geschichtswettbewerbs sei das Pendant in Deutschland. Die Körber Stiftung führt im Nachbarland seit 1973 den Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten durch – mit Erfolg: Über 5000 Jugendliche gehen alle zwei Jahre auf historische Spurensuche zu einem vorgegebenen Thema. Bei der Körber Stiftung hatte sich HISTORIA viele Anregungen für den eigenen Wettbewerb geholt, der vor sieben Jahren zum ersten Mal stattfand. Heute ist der Schweizer Geschichtswettbewerb HISTORIA nicht nur mit dem deutschen Wettbewerb gut vernetzt, sondern durch die Mitgliedschaft bei EUSTORY, der Vereinigung des europäischen Geschichtsnetzwerkes für Jugendliche, mit Gruppierungen und Vereinen aus 21 Ländern.



BILD: Geschäftsführerin Nicole Billeter & Panel-Moderatorin Kerstin Peter

„Von Beginn an waren wir sehr erfreut, dass es den Geschichtswettbewerb gibt“, erklärte Lehrer Hansjörg Frank. „Wir haben das als grosse Chance wahrgenommen.“ Vor allem die Möglichkeit, Maturarbeiten mit dem Wettbewerb zu verknüpfen sei ein Vorteil – und für die Jugendlichen eine zusätzliche Motivation. Schliesslich könnten sie ihre Arbeiten einer Jury und mit Glück auch einer grossen Öffentlichkeit präsentieren. So wie Clara Müller: Ihr Lehrer hatte sie auf den Geschichtswettbewerb aufmerksam gemacht – und sie gewann 2009 mit ihrer Maturarbeit „Die Auswanderung aus Mels nach Nordamerika 1841-1850“ einen ersten Preis. Die Auseinandersetzung mit den handschriftlichen Quellen im Archiv habe ihr viel Spass gemacht, erklärte sie. Selbst etwas herauszufinden und nicht nur Bücher aus der Bibliothek auszuleihen, das seien für sie Höhepunkte in ihrer Forschungsarbeit gewesen.

Recherchen zu lokalen Themen

Zu lokalen Themen forschen, ins Archiv gehen, Zeitzeugengespräche führen, das ist das Ziel des Schweizer Geschichtswettbewerbs, der alle zwei Jahre neu ausgeschrieben wird. Die Themen sind bewusst sehr breit gefasst: 2003-2005 war es „Migration“, 2005-2007 „Freizeit“, 2007-2009 „Grenzen“ und im aktuellen Wettbewerb geht es um „Arbeitswelten“. Da bieten sich Recherchen in der eigenen Gemeinde oder Region geradezu an. Alle zwei Jahre wird ein neues Thema ausgeschrieben, die Einzel- oder Gruppenarbeiten können in einer der vier Landessprachen eingereicht werden. Durch den Wettbewerb werden Jugendliche im kritischen Denken, selbstständigen Arbeiten, wissenschaftlichen Forschen sowie Schreiben und klaren Präsentieren gefördert. Die Preise sind attraktiv: Es winken nicht nur Geldbeträge, die Gewinnerinnen und Gewinner können sich auch für ein europäisches Jugendseminar von EUSTORY bewerben. Das hat Clara Müller getan – und sie war begeistert: „Eine Woche haben wir intensiv in Danzig gearbeitet, Interviews mit Zeitzeugen geführt, Museen besucht. Wir haben viel gelernt.“

Unterstützung durch die Lehrer

Nicht immer ist die Forschung für die 14- bis 21-jährigen Wettbewerbsteilnehmer leicht: „Die Schüler machen immer wieder die Erfahrung, dass es grosse Mengen an Material gibt“, erklärte Sven Tetzlaff. „Das Material und die Fragestellung müssen sie so eingrenzen, dass sie das Thema in den Griff bekommen.“ Dieses Eingrenzen ist schwierig, das führe manchmal zu Motivationskrisen – und dann seien die Lehrer gefragt. Sie müssen unterstützen, weiterhelfen, motivieren. „Man muss den Schülern eine gute Grundlage geben“, weiss Christiane Stuber aus eigener Erfahrung. „Sie brauchen eine Wissensbasis, auf die sie aufbauen können.“ Natürlich kann ein Lehrer nicht den ganzen Archivbestand einer Gemeinde kennen, aber er kann an Fachleute verweisen. HISTORIA hilft Lehrpersonen in vielen Fällen weiter – beispielsweise mit Tipps auf der Homepage und mit Kursen zur Weiterbildung im Achivwesen. Trotzdem, Sven Tetzlaff weiss auch: „Es ist für Schüler nicht immer leicht, Archive zu nutzen.“ Die Öffnungszeiten seien nicht immer schülerfreundlich, ebenso wenig die Formalien für den Zugang zum Material. In Deutschland habe die intensive Kontaktaufnahme zu den Archiven und die Arbeit mit Archivpädagogen sehr geholfen.

Die Möglichkeiten der Zeitzeugeninterviews haben dem deutschen Geschichtswettbewerb eine grosse Schubkraft gegeben. Doch die Diskussionsrunde warnte auch: So leicht zugänglich Zeitzeugen auch als Quellen seien, sie bergen oft auch die „Gefahr“, dass sich die Jugendlichen nicht von den Befragten distanzieren, dass sie ihre Aussagen nicht kritisch hinterfragen. „Die wissenschaftlichen Erträge muss man da etwas relativieren“, betonte Sven Tetzlaff. „Aber die Dialogfunktion, die Gespräche zwischen den Generationen sind ein grosser Gewinn.“ Nicht vergessen als Quellen für die Arbeit der Schüler dürfe man überschaubare Privat- oder Firmenarchive, hiess es in der Diskussionsrunde. Diese seien oft sehr wertvolle Grundlagen für die Forschung.

Der Didaktiker Rudolf Hadorn ist überzeugt vom HISTORIA-Geschichtswettbewerb: „Man muss noch mehr Lehrpersonen dafür gewinnen.“ Schliesslich profitieren diese von den Arbeiten der Jugendlichen, auch fachlich sei die Forschung der Schüler ein Gewinn. „Die Unterstützung der Schüler für den Wettbewerb kann eine Lehrerexistenz versüssen“, betonte Rudolf Hadorn. Das sieht auch Christine Stuber so: „Es ist nicht mehr Aufwand, es ist mehr Freude.“

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